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Studium abbrechen: Dann ist der Zeitpunkt gekommen
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jobmensa Redaktion
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Kurzgesagt:
Der Artikel erzählt die Geschichte einer ehemaligen Jurastudentin, die ihr Studium nach sieben Semestern abbrach, obwohl sie akademisch erfolgreich war. Getrieben von anfänglicher Euphorie und dem Prestige des Fachs, stellte sich schnell eine tiefe Unzufriedenheit durch Anonymität und mangelndes Interesse ein. Trotz mahnender Stimmen aus dem Umfeld, die Zeit nicht „wegzuwerfen“, folgte sie in einem Schlüsselmoment während einer Klausur ihrer Intuition und verließ den Hörsaal endgültig. Der anschließende Wechsel zur Germanistik und Romanistik erwies sich als lebensverändernde Entscheidung. Die Autorin betont, dass die Zeit im Erststudium keine verlorene Zeit war, sondern eine wertvolle Lektion über Eigenverantwortung und Mut.
- Intuition vor Erwartungsdruck: Das Gefühl von Leere und Unzufriedenheit sollte ernst genommen werden, auch wenn das Umfeld zum „Durchhalten“ rät.
- Erfolg ist kein Glücksgarant: Auch wer Klausuren besteht, kann im falschen Fach sein – akademische Leistung ersetzt keine echte Begeisterung.
- Neuanfang statt Scheitern: Ein Studienabbruch ist eine Richtungskorrektur und eine Bereicherung des Erfahrungsschatzes, kein persönliches Versagen.
Die Entscheidung für ein Studium treffen wir oft in einem Alter, in dem gesellschaftliche Anerkennung und vage Vorstellungen von „Sicherheit“ schwerer wiegen als die eigene Persönlichkeit. Doch was passiert, wenn die prestigeträchtige Wahl zur mentalen Sackgasse wird? Viele Studierende verharren jahrelang in ungeliebten Fachbereichen, getrieben von der Angst vor dem „Scheitern“ oder dem vermeintlichen Verlust investierter Zeit. Der vorliegende Erfahrungsbericht bricht mit dem Tabu des Studienabbruchs und zeigt, dass das Verlassen eines falschen Weges kein Versagen ist, sondern der mutige erste Schritt zu sich selbst.
Wenn man im Studium unglücklich ist, kommt bald die Frage auf: Soll ich abbrechen oder doch nicht? Wann ist es der richtige Zeitpunkt oder geht das alles einfach wieder vorbei? Und was passiert nach dem Studienabbruch? Wann man seiner Intuition folgen sollte und über einen Studienabbruch nachdenken sollte, zeigt folgender Erfahrungsbericht.
Schon lange vor dem Abitur stand eins für mich fest. Ich wollte Jura studieren. Das Fach kam mir super interessant und spannend vor. Ich hatte immer gute Noten in der Schule gehabt, Lernen machte mir Spaß und ein Fach wie Rechtswissenschaft erschien mir außerdem solide, ehrbar und man erntete auch jedes Mal ein wenig Bewunderung, wenn man auf die Frage “Was machst du dann nach dem Abitur?”, antworten konnte “Ich will Jura studieren”. Entsprechend ging ich auch mit hohen Erwartungen ins Studium und auch mit großer Freude. Endlich würde ich Jura studieren und all diese Paragraphen verstehen, könnte Bekannten jederzeit mit fachkundigem Rat eine Klage vom Hals halten und nach ein paar Semestern würde ich dann in einer schicken Anwaltskanzlei arbeiten.
Okay, ganz so blauäugig und naiv war ich nicht, aber selbstverständlich hat jeder, der ein Studium anfängt, auch bestimmte Vorstellungen und Wünsche, wie es laufen sollte und vor allem auch das Ziel vor Augen, das Gelernte später im Beruf anzuwenden.
Schwierig wurde das Ganze für mich jedoch, als meine Vorstellungen vom Fach und dem Studium nicht erfüllt wurden. Ich hatte nicht mit so viel Anonymität gerechnet. Klar, Jura zählt zu einem der beliebtesten Fächer für Studienanfänger*innen, dementsprechend viele Leute hatten mit mir angefangen. Leider hatte das Fach es aber in der Realität nie geschafft, echte Begeisterung in mir zu wecken und erst recht kein*e Professor*in oder Dozent*in. Eine Einsicht, die sich schon recht früh einschlich, die ich aber verdrängte. Im Endeffekt wurden es dann sieben Semester Jurastudium.
Der ein oder andere mag sich fragen: “Warum hat sie es dann so lange durchgezogen?” Nun, ich war einfach nicht schlecht genug, bestand die Klausuren und machte meine Scheine. Und das Motto “Vier gewinnt!” reichte da auch beim ein oder anderen Mal aus.
Worauf ich im Endeffekt immer gewartet hatte war, dass mir jemand diese schwere Entscheidung abnehmen würde. Aber niemand mit dem ich über diese Unzufriedenheit und meinen Wunsch aufzuhören sprach, sagte mir klipp und klar, dass ich den Kram endlich schmeißen sollte. Kein Wunder, niemand will sowas auf seine Kappe nehmen, trauen muss man sich das überhaupt erstmal. Anfangs hieß es von Freund*innen oder Familienmitgliedern: “Das ist das erste Semester, aller Anfang ist schwer!”, dann “Ah, das ist halt das vierte Semester, da ist immer viel zu tun!” und schließlich “Aber du bist doch schon im siebten Semester und so weit gekommen, du kannst doch jetzt nicht schmeißen, das ist doch viel zu schade!”
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Ja, zu schade, zu viel Zeit verloren, zu viel Geld, zu viele Nerven…
Einen echten Erleuchtungsmoment hatte ich schließlich, als ich in einer Klausur saß. Nachdem die Zettel mit den Aufgaben ausgeteilt waren, fingen alle an wie wild in ihren Gesetzestexten zu blättern, sich Notizen zu machen und die ersten Sätze im Gutachtenstil auf ihre Bögen zu schreiben. Ich fühlte mich wie in einem Film und gönnte mir das erste Mal seit ich überhaupt Jura studierte, einen Augenblick der Ruhe als ich meinen Blick durch die Reihen schweifen ließ, wo Leuten saßen, die ich seit knapp drei Jahren immer wieder sah und die ihre ganze Energie in etwas steckten von dem ich jetzt so klar wie nie zuvor wusste, dass ich es keine Sekunde länger würde tun können. Ich packte meine Sachen und verließ den Hörsaal. Jura sah mich nie wieder.
Auch heute, nachdem das nun schon ein paar Jahre her ist, kann ich behaupten, dass dies die beste Entscheidung meines Lebens war, denn zu lange hatte ich mich durch etwas gequält, dass mir keine Zufriedenheit brachte und mich nicht glücklich machte und – wie ich eben auch lernen musste – nicht zu meiner Persönlichkeit gepasst hatte. Ich entschied mich dann für einen Neuanfang mit der Geisteswissenschaft und studierte Germanistik und Romanistik und diesmal machte es richtig Spaß, der Professor kannte meinen Namen wenn ich in die Prüfung kam und der Dozent konnte sich daran erinnern, worüber ich mein Referat im Seminar gehalten hatte. Dieses Studium wurde dann tatsächlich zu der so oft zitierten besten Zeit meines Lebens.
Da war ich endlich bei mir selbst angekommen
Kurz nachdem ich das Fach gewechselt hatte, sprachen mich ein paar Leute mal darauf an, wie ich das denn nach so viel Zeit hätte tun können, ob es mir nicht zu schade gewesen wäre, ich hätte doch so viel Zeit investiert, die sei doch jetzt verloren.
Ich sah das nicht so. Eine der besten Einsichten, die mir nach diesem Schritt sicher nicht abhanden kommen wird ist die, dass man letztlich in seinem Leben immer für sich selbst entscheiden muss. Das kann einem leider keiner abnehmen. Auch den Mut etwas komplett zu ändern, an dem man zwar jahrelang festgehalten, das für einen selbst aber nunmal nicht funktioniert hatte, muss man erst einmal aufbringen. Für mich selbst war die Zeit, die ich meinem Jurastudium gewidmet hatte entsprechend nie verloren, denn sie hatte mich um sehr wichtige Erfahrungen bereichert und niemals habe ich dies als Scheitern empfunden, sondern als Lektion fürs Leben.
Jedem, der in einer ähnlichen Zwickmühle steckt und sich überlegt, sein Studium abzubrechen, kann ich dazu raten sich in Ruhe zu überlegen, wo genau es denn hakt. Kommt man mit der Fülle des Lernstoffs nicht zurecht und fühlt sich schlichtweg überfordert? Oder kann das Studium die Ansprüche, die man daran gestellt hat einfach nicht erfüllen? Sehr oft verschieben sich die Interessen im Laufe der Jahre und man merkt, dass man an Dingen, die einem einst wichtig waren, nicht mehr hängt und was Neues braucht. Was also würde einen wirklich erfüllen, was mehr Spaß machen? Und was kann man sich wirklich vorstellen, jahrelang als Beruf auszuüben.
Von Vorteil kann es außerdem sein, wenn man sich einen Plan B überlegt.
Will man danach was Neues studieren oder lieber eine Ausbildung machen oder vielleicht braucht man auch einfach mal eine Auszeit vom Lernkarussel und würde lieber Zeit im Ausland verbringen? Die eigene Intuition jedenfalls, ist in der Regel der richtige Wegweiser. Also einfach trauen und lieber Zeit mit etwas verbringen, das einen glücklich und zufrieden macht, statt sich jahrelang selbst dabei zuzuschauen, wie man sich quält und selbst was vormacht.
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Fazit
Ein Studienabbruch ist kein Ende, sondern eine notwendige Korrektur auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. Wer die Stärke besitzt, den Erwartungsdruck von außen gegen die eigene Intuition einzutauschen, gewinnt etwas viel Wertvolleres als einen Abschluss: Lebensqualität und Authentizität. Die Geschichte der Autorin zeigt eindrucksvoll, dass erst die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst den Raum für die „beste Zeit des Lebens“ schafft. Zeit ist nur dann verloren, wenn man sie damit verbringt, jemand zu sein, der man nicht ist.
1. Ist mein Lebenslauf durch einen Abbruch nach vielen Semestern ruiniert?
Nein. Personaler schätzen heute oft die Reife und Reflektiertheit, die ein bewusster Fachwechsel mit sich bringt. Wichtig ist, den Wechsel als bewusste Entscheidung für die eigenen Stärken zu begründen.
2. Ab wann ist es „zu spät“ für einen Wechsel?
Es ist nie zu spät. Wie der Bericht zeigt, ist es besser, nach sieben Semestern neu anzufangen, als vierzig Jahre lang in einem ungeliebten Beruf zu arbeiten.
3. Was sage ich meinen Eltern, wenn sie enttäuscht sind?
Erkläre deine Situation ehrlich und sachlich. Zeige auf, dass du einen Plan für die Zukunft hast. Meistens wiegt die Sorge um dein langfristiges Glück schwerer als der Wunsch nach einem bestimmten Titel.
4. Habe ich nach einem Abbruch noch Anspruch auf BAföG?
Bei einem Fachrichtungswechsel aus „wichtigem Grund“ kann der Anspruch erhalten bleiben. Dies muss meist bis zum Beginn des vierten Semesters erfolgen; später sind die Hürden höher, aber nicht unmöglich (z. B. bei Neigungswandel).
5. Wie finde ich heraus, ob ich nur ein Tief habe oder das Fach falsch ist?
Frage dich: Magst du die Inhalte, aber hasst den Prüfungsstress? Dann ist es ein Tief. Magst du die Inhalte selbst nach einer Pause nicht mehr und siehst dich nicht im späteren Beruf? Dann ist das Fach wahrscheinlich falsch.
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