Depressionen im Studium: Wie kommt man wieder raus aus dem Tief?

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Kurzgesagt:

Der Artikel thematisiert die hohe Prävalenz von Depressionen und Burn-out unter Studierenden, von denen schätzungsweise jede*r Dritte in Deutschland betroffen ist. Hauptursachen sind extremer Leistungsdruck, Schlafmangel und die Tabuisierung psychischer Leiden in einer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft. Typische Warnsignale sind chronische Erschöpfung, Freudlosigkeit, Konzentrationsstörungen und körperliche Beschwerden wie Schwindel oder Verspannungen. Der Text betont, dass professionelle Hilfe (z. B. durch Studentenwerke oder Therapeuten) unerlässlich ist und erste Schritte wie soziale Öffnung, Bewegung an der frischen Luft und bewusste Auszeiten den Heilungsprozess unterstützen können.

Leistungsdruck, organisatorisches Chaos, Überlastung und Selbstzweifel, Schlafprobleme.

Und plötzlich geht nichts mehr: Keine Lust morgens aufzustehen, zur Uni zu gehen, Freund*innen zu treffen, Sport zu machen. Oder irgendetwas anderes. Stattdessen Trostlosigkeit und Leere und das seltsame Schamgefühl: Kann man denn als junger Mensch, als Student*in, der sich doch eigentlich nur um sich selbst kümmern muss, Depressionen im Studium haben? Oder übertreibt man es vielleicht nur grad mit der miesen Laune?

Mehr als nur ein Durchhänger

Laut Schätzungen ist jede*r dritte Student*in in Deutschland depressiv oder leidet an einem Burn-Out-Syndrom. Der extreme Leistungsdruck, das Gefühl alles immer schneller und immer besser tun zu müssen, machen einen auf Dauer krank. Äußern tut sich dies in einer Veränderung des Verhaltens der Betroffenen. Am markantesten ist dabei das Gefühl der Leere, man fühlt sich dumpf und kann sich über kaum etwas freuen. Mehr denn je stehen Studenten unter Leistungsdruck, besonders bei der Konfrontation mit Prüfungen oder während der Bachelorarbeit staut sich die viele Arbeit und der Stress mit meist zu wenig Schlaf, zu wenig Freizeit und zu vielen Gedanken zu einem Knäuel, das sich mehr und mehr verheddert. Aus der Depression kommt man dann allein nicht mehr raus.

Meistens traut man sich gar nicht, anderen mitzuteilen, wie schlecht es einem in Wahrheit geht. Man fürchtet oft eine saloppe Reaktion vom Typ: “Ah, hör doch auf zu Jammern!” oder “Das ist doch nur ‘ne Phase, geh mal etwas öfter an die frische Luft.” Solche Sprüche, die jeglicher Empathie und Bereitschaft zuzuhören entbehren, kriegt man dann tatsächlich gesteckt und sie machen die Sache nur noch schlimmer. Kein Wunder also, dass Krankheiten wie Depression, Burn-out oder Angststörung in unserer Leistungsgesellschaft, in der man am besten fehlerfrei und stets einsatzbereit wie ein Roboter funktionieren sollte, ein Tabu darstellen und den Betroffenen erst recht den Mut nehmen, sich jemandem anzuvertrauen.

Anzeichen für ein Burn-Out-Syndrom im Studium:

  1. Die Uni stresst dich über die Maßen

  2. Du bist schon beim Aufstehen völlig erschöpft

  3. Dir wird alles zu viel, und du siehst kein Ende

  4. Du bist reizbar, fährst ständig aus der Haut

  5. Es gelingt dir nicht mehr, dich zu entspannen

  6. Du leidest unter Schwindel, Kopfschmerz und schmerzhafter Muskelverspannung

  7. Am liebsten würdest Du nur noch schlafen

  8. Du fühlst Dich lust- und hoffnungslos

  9. Es gibt nichts, worauf du dich freust

  10. Du fühlst in dir eine unerklärliche Leere

  11. Du bist ständig nervös und unruhig

  12. Du hast Probleme mit deiner Konzentration

Wenn diese Punkte auf dich zutreffen, dann bist du in jedem Fall körperlich und mental erschöpft, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit leidest du aber auch an einem Burn-Out-Syndrom bzw. einer Depression, die du nicht auf die leichte Schulter nehmen solltest. Hilfe findest du in nahezu jedem Studentenwerk, das psychologische Ansprechpartner*innen bietet, die dir bei deinen Problemen helfen können und vor allem zuhören. Reicht ein solches Gespräch nicht aus, dann solltest du dich nach einem Psychotherapeuten umsehen, der eine längerfristige Behandlung vornehmen kann. Im Normalfall werden diese Kosten von den Krankenkassen übernommen.

Wie man aus der Depri-Phase rauskommt

Die gute Nachricht vorweg: Depressionen im Studium kann man sehr gut behandeln. Oft hilft es schon, sich der besten Freundin, dem/der Partner*in oder einem Familienmitglied ehrlich anzuvertrauen. Nicht jeder sieht einem an der Nasenspitze an, wie man sich innerlich fühlt. Wenn man die Möglichkeit dazu hat, sollte man sich eine kleine Auszeit nehmen, ein Tapetenwechsel ist meist schnell getan und kann Wunder bewirken. Grundsätzlich sollte man vermeiden, sich ständig zu überfordern und 10 Dinge auf ein Mal erledigen zu wollen. Und, auch wenn man es nicht so gern hören mag, aber Bewegung tut dem Körper wahnsinnig gut. Gemeint ist damit nicht etwa Ausdauersport von einem Tag auf den anderen. Ein langer Spaziergang, bei dem man die Gedanken mal schweifen lassen kann oder täglich eine Runde Joggen, die Einkäufe nur noch mit dem Rad erledigen, sind schon erste Erfolge. Verkriechen hilft in so einer Situation auch nicht weiter, ab und zu muss man sich einen kleinen Ruck geben, um was mit den Freund*innen zu unternehmen oder sich selbst aus der Bude holen und einfach mal ein paar Stündchen auf der Wiese liegen und den Geräuschen, um einen herum zuhören, die Ruhe genießen. Oft entstehen Depressionen nämlich daraus, dass man ständig hetzt und nur große Projekte als Erfolg wertet. Dabei sind es doch die kleinen Dinge, die das Leben genauso lebenswert und schön machen und die einem ohne großen Aufwand von alleine zufliegen. Man muss sie nur bemerken.

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Prävention durch akademische Selbstfürsorge

Um gar nicht erst in die Abwärtsspirale der Überforderung zu geraten, ist ein proaktives Stressmanagement entscheidend. Dies beginnt bei einer realistischen Semesterplanung, die bewusst Pufferzeiten für Erholung vorsieht, und reicht bis hin zum Erlernen von Nein-Sagen gegenüber überzogenen Erwartungen – sowohl eigenen als auch externen. Universitäten bieten zunehmend Workshops zu Zeitmanagement und Achtsamkeit an, die dabei helfen können, die Resilienz zu stärken und Warnsignale des eigenen Körpers früher zu deuten, bevor die Belastung chronisch wird.

Die Bedeutung der Entstigmatisierung im Campus-Alltag

Ein wesentlicher Faktor für die Genesung ist ein offenes Klima an den Hochschulen. Solange psychische Erkrankungen als Tabuthema behandelt werden, bleibt die Hürde, Hilfe zu suchen, für viele unüberwindbar hoch. Fachschaften und Hochschulgruppen spielen eine Schlüsselrolle dabei, Räume für den Austausch zu schaffen und zu vermitteln, dass mentale Gesundheit genauso wichtig ist wie akademische Leistung. Ein solidarisches Umfeld, in dem Schwäche zugelassen wird, reduziert den sozialen Isolationsdruck und ermutigt Betroffene, sich frühzeitig den Beratungsstellen anzuvertrauen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass psychische Gesundheit die absolute Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Studium ist – und nicht etwa ein Hindernis, das man einfach „wegdrücken“ kann. Wer lernt, die Signale des eigenen Körpers zu achten und sich rechtzeitig Hilfe sucht, gewinnt langfristig weit mehr als nur Credit Points: nämlich die Fähigkeit zur Selbstfürsorge. Es ist kein Versagen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sondern ein Akt der Stärke. Letztlich ist kein Abschluss der Welt es wert, die eigene mentale Integrität zu opfern. Das Studium sollte ein Weg zur Selbstverwirklichung sein, kein Weg in die Selbstaufgabe.

Normaler Stress lässt nach einer Ruhephase oder nach der Prüfung nach. Eine Depression ist durch eine lang anhaltende (über zwei Wochen), tiefe Antriebslosigkeit, Gefühlsleere und den Verlust von Interessen gekennzeichnet, die auch durch Schlaf nicht verschwinden.

Die psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke sind die erste Anlaufstelle. Sie bieten oft kurzfristige Termine an, unterliegen der Schweigepflicht und sind speziell auf die Probleme von Studierenden vorbereitet.

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen und die meisten privaten Krankenkassen die Kosten für eine ambulante Psychotherapie, sofern eine entsprechende Diagnose durch einen Therapeutin oder Ärzt*in gestellt wurde.

Höre aktiv zu, ohne Ratschläge wie „Reiß dich mal zusammen“ zu geben. Signalisiere Präsenz und biete konkrete Hilfe an (z. B. Begleitung zum Arzt oder zur Beratungsstelle), ohne die Person zu bedrängen.

Ja, es besteht die Möglichkeit eines Urlaubssemesters aus gesundheitlichen Gründen. Dies hat den Vorteil, dass die Fachsemesterzahl nicht weiterläuft und oft auch Auswirkungen auf das BAföG oder Prüfungsfristen abgemildert werden können.

Bild von jobmensa Redaktion

jobmensa Redaktion

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