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Auf Lehramt studieren
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Kurzgesagt:
Der Artikel beschreibt das Lehramtsstudium als einen krisensicheren, aber anspruchsvollen Ausbildungsweg, der stark durch den deutschen Föderalismus geprägt ist. Je nach Bundesland schließen Studierende mit dem Staatsexamen oder dem Bachelor/Master-System ab, wobei die Abschlüsse bundesweit anerkannt sind. Ein zentrales Merkmal der modernen Ausbildung ist der hohe Praxisanteil durch gestaffelte Praktika, die den „Praxisschock“ mildern sollen. Das anschließende Referendariat bildet die Brücke zum Berufsleben, gilt jedoch aufgrund von hohem Zeitdruck und Bewertungsmethoden als besonders belastend. Die Besoldung erfolgt nach Schulform und Bundesland, wobei die Verbeamtung als erstrebenswertes Ziel für langfristige Jobsicherheit hervorgehoben wird.
- Föderale Vielfalt bei gleicher Wertigkeit: Trotz unterschiedlicher Abschlussbezeichnungen (Staatsexamen vs. Master) und länderspezifischer Regelungen ist die Lehrerausbildung deutschlandweit kompatibel.
- Frühe Praxisorientierung: Moderne Studiengänge setzen auf eine kontinuierliche Begleitung durch Schulpraktika, um die Rollenreflexion vom Schüler zum Lehrer frühzeitig zu fördern.
- Herausforderung Referendariat: Der Vorbereitungsdienst ist die entscheidende Hürde zur Verbeamtung; er bietet zwar erste Gehaltseingänge und Praxiserfahrung, steht aber wegen mangelnder Transparenz oft in der Kritik.
Der Lehrerberuf gilt in Deutschland seit jeher als Inbegriff von beruflicher Sicherheit und gesellschaftlicher Verantwortung. Doch der Weg zum Pult ist heute komplexer denn je: In einem föderalen System, in dem Bildung reine Ländersache ist, gleicht die Ausbildung einem Flickenteppich aus verschiedenen Abschlüssen, Praktika und Prüfungsordnungen. Während der akute Fachkräftemangel angehenden Pädagogen glänzende Einstellungschancen beschert, stellt die Ausbildung selbst – vom Studium bis zum kräftezehrenden Referendariat – hohe Anforderungen an Belastbarkeit und Flexibilität. Wir beleuchten, was angehende „Superhelden des Alltags“ auf dem Weg in die Verbeamtung wirklich erwartet.
Das Lehramtsstudium – höchste Jobsicherheit, hart erkämpft
Selten gab es eine günstigere Zeit, um auf Lehramt zu studieren. Pädagog*innen werden in vielen Fächern gebraucht. In Sachen Lehramtsstudium, Referendariat, Einstellung und Bezahlung unterscheidet sich jedoch vieles von Bundesland zu Bundesland. Bildung ist eben Ländersache!
Inhalt und Aufbau des Lehramtstudiums
Die Lehrerausbildung sieht in jedem Bundesland ein wenig anders aus. So bestehen für das Studium als auch für das anschließende Referendariat Unterschiede, auch hinsichtlich der Dauer des Lehramtstudiums. Damit dies nicht in einem totalen Chaos endet, gibt es auf Bundesebene trotzdem einheitliche Regelungen. So sind beispielsweise die Abschlüsse, egal wie und wo erworben, deutschlandweit gleichwertig.
Die Bundesländer im Süden der Republik modularisieren zwar, bieten aber weiter das „traditionelle“ Studium mit Staatsexamen an. In anderen Ländern im Norden (Niedersachsen) und der Mitte (NRW) sowie im Osten (Thüringen, Sachsen) schließt man mit Bachelor und Master ab. Wieder andere – wie z. B. Rheinland-Pfalz – bieten beides – Master und 1. Staatsexamen – nacheinander an. Ob man einen Bachelor of Arts mit Lehramtsoption, einen Bachelor of Education, einen Master of Education oder ein 1. Staatsexamen auf dem Weg sammelt, ist am Ende aber irrelevant. Hauptsache ist, man hält letztlich einen Master of Education und/oder das Staatsexamen in Händen – und natürlich das alles entscheidende Referendariat.
Lehrämter bestimmter Schularten:
→ Lehramt Grundschule (Primarstufe)
→ Lehramt Hauptschule (Sekundarstufe 1)
→ Lehramt Realschule (Sekundarstufe 1)
→ Lehramt Gymnasium (Sekundarstufe 1 und 2)
→ Lehramt Gesamtschule (Sekundarstufe 1 und 2)
→ Lehramt Berufsschule (Sekundarstufe 2)
→ Lehramt Förderschule (Sekundarstufe 1)
Zu beachten ist, dass nicht alle Hochschulen jede denkbare Kombination an Fächern im Angebot haben. An vielen Hochschulen gibt es lokale Zugangsbeschränkungen für bestimmte Lehramts-Fächer bzw. Fächerkombinationen, manchmal auch pauschal für bestimmte Schularten. Es kann also passieren, dass du nur „halb“ studieren kannst, weil du zwar in einem nicht beschränkten Fach einen Platz bekommst, aber im zweiten Fach (und zwei sind immer notwendig für ein Lehramtsstudium!) nicht.
Praktika auf dem Vormarsch
Wo vor ein paar Jahren noch zwei kurze Praktika genügen mussten, gibt es heutzutage in den meisten Studiengängen komplette Reihen von Praktika mit unterschiedlichen Bezeichnungen, Zielen und Aufgaben. Das erste Praktikum (noch vor oder direkt nach dem ersten Semester) dient der Orientierung und dem Kennenlernen der Schulart. Ziel ist es, aus der Schülerrolle hinein in die Rolle der Lehrkraft zu schlüpfen. Im Zentrum stehen hierbei Beobachtungsaufgaben.
In folgenden Praktika werden Studierende dazu angeleitet, zunächst kurze Unterrichtssequenzen zu planen, ganze Unterrichtsstunden und schließlich komplette Unterrichtsreihen vorzubereiten. Das Üben der Unterrichtsplanung wird an der Universität wissenschaftlich reflektiert, die Einbettung in die Praxis ermöglicht einen größeren Lernerfolg und zudem einen geringeren Praxisschock im Anschluss an das Studium im „echten” Lehramt.
Ebenfalls wichtig bei den Praxisphasen ist, dass Praktikant*innen am Schulleben teilnehmen. Zusätzlich zu Vorbereitungen und Korrekturen kommen so Konferenzen, Fachschaftssitzungen, Aufsichten, Freistunden, Elterngespräche und Schulveranstaltungen hinzu.
Das Referendariat
Per Definition ist das Referendariat ein Vorbereitungsdienst bzw. eine Ausbildungszeit für die Beamtenlaufbahn. Und in der Tat: Dank einer Dauer von anderthalb bis zwei Jahren bei einem Verdienst von gut und gerne 1.000 Euro pro Monat spart das System wahrlich nicht am Ausbildungscharakter des Referendariats. Andererseits, wer diese stressige Phase erfolgreich überstanden hat, kann sich allmählich an den Gedanken gewöhnen, durch die Verbeamtung unkündbar zu werden.
In vielen Bundesländern fängt man im „Ref“ direkt mit dem eigenverantwortlichen Unterricht an, hospitiert zusätzlich bei Kolleg*innen und hält regelmäßig Stunden, die dann in sogenannten „Unterrichtsbesuchen“ oder „Lehrproben“ von Fachleiter*innen beurteilt werden. Diese sehr intensive und arbeitsreiche Zeit ist eine gute Möglichkeit, nach und nach im Beruf anzukommen, bei fertigen Lehrer*innen abzuschauen und seinen eigenen Unterrichtsstil zu entwickeln. Eine häufig geübte Kritik am Referendariat stellt die fehlende Transparenz in der Notengebung dar, gepaart mit einer hohen individuellen Abhängigkeit von den Ausbilder*innen.
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„Zum Lehren muss man geboren sein“, lautet eine alte Redensart zum Berufsstand der Pädagog*innen, die in ihrer Absolutheit natürlich nicht haltbar ist. Lehrersein ist erlernbar, das ist Fakt. Dennoch gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die das Ganze erheblich erleichtern. Spaß beispielsweise am Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist Grundvoraussetzung, ebenso Organisations- und Improvisationstalent, Kreativität, Strukturiertheit, Disziplin und idealerweise ein dickes Fell. Wer besonders nachtragend ist, sollte die Finger vom Lehramt lassen, denn das Frustrationspotential kann gewaltig ausfallen.
Was verdienen Lehrende?
Es gibt in Deutschland nicht „das“ Lehrergehalt, ebenso wie es das Grundschullehramt und Lehrtätigkeiten an weiterführenden Schulen gibt. Die Eingruppierung bzw. die Zuordnung wird von öffentlichen Arbeitgeber*innen in Abhängigkeit von Lehramt und Schulform festgelegt. Hier gilt seit mehr als 100 Jahren: Kleine Kinder – kleines Geld, große Kinder – großes Geld, wobei die Abstufungen im Detail von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Nicht zuletzt hängt das Einkommen auch davon ab, ob man verbeamtet oder angestellt arbeitet – beides ist bekanntlich möglich. Aufgrund der Tarifverträge sind die Gehälter von Lehrenden sehr transparent einsehbar – sofern der Arbeitgebende ein öffentlicher Träger ist. Das durchschnittliche Gehalt eines Lehrenden der Sekundarstufe 1 liegt nach 15 Berufsjahren in Deutschland bei rund 55.000 Euro.
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Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Lehramtsstudium weit mehr ist als nur die Vermittlung von Fachwissen. Es ist ein langwieriger Transformationsprozess, der eine hohe Frustrationstoleranz und eine echte Leidenschaft für die Arbeit mit jungen Menschen voraussetzt. Wer bereit ist, sich durch die bürokratischen Hürden der Bundesländer und die harten Lehrproben des Referendariats zu kämpfen, wird mit einem der krisensichersten Berufe Deutschlands belohnt. In Zeiten des Lehrermangels stehen die Türen weit offen – doch am Ende entscheiden nicht nur die Noten, sondern vor allem das „dicke Fell“ und das Organisationstalent über den langfristigen Erfolg im Klassenzimmer.
1. Kann ich in einem Bundesland studieren und in einem anderen arbeiten?
Ja. Obwohl die Studienstrukturen variieren, sind die Abschlüsse (Master of Education oder 1. Staatsexamen) deutschlandweit anerkannt.
2. Reicht ein Studienfach aus, um Lehrer zu werden?
Nein. In der Regel müssen für das Lehramt immer zwei Unterrichtsfächer kombiniert werden. Zudem kommen pädagogische und fachdidaktische Inhalte hinzu.
3. Was verdient man im Referendariat?
Die Unterhaltsbeihilfe liegt je nach Bundesland und Schulform bei etwa 1.000 bis 1.500 Euro brutto pro Monat.
4. Ist man als Lehrer automatisch unkündbar?
Nur nach der Verbeamtung auf Lebenszeit. Wer im Angestelltenverhältnis arbeitet, unterliegt den regulären arbeitsrechtlichen Kündigungsfristen, genießt aber im öffentlichen Dienst dennoch eine hohe Arbeitsplatzsicherheit.
5. Stimmt es, dass Grundschullehrer weniger verdienen als Gymnasiallehrer?
Traditionell ja („Kleine Kinder – kleines Geld“), allerdings gleichen viele Bundesländer die Besoldung (Stichwort A13 für alle) schrittweise an, um die Grundschullehre attraktiver zu machen.
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